cov19
cov19

Does it spark joy?

Interview mit Theresa Kaiser und Elisabeth Großschädl, den beiden Herausgeberinnen des neuen Online-Magazins period.

Elisabeth Großschädl und Theresa Kaiser haben period. ins Leben gerufen – ein vierteljährlich erscheinendes Onlinemagazin, das unter den Prämissen Sustainability, Geschlechtergerechtigkeit und Innovation eine faktenbasierte Perspektive auf die heutige Gesellschaft bietet. 

Fotos: © Pamela Rußmann


Wir befinden uns in einer neuen period. Wir stehen am Beginn – wissen aber heute schon, dass es nicht nur durch die Corona Krise, Gewinner und Verlierer, gibt und geben wird. Das hört und liest niemand gern. Umso mehr braucht es neue Medien, die den Finger auf offenen Gesellschafts- und Wirtschaftswunden legen. Theresa Kaiser und Elisabeth Großschädl ist das mit ihrer 0-Nummer des Online-Magazins period gelungen, wie Katharina Sigl im Interview mit den beiden engagierten Damen herausgefunden hat.

Worauf wollen Sie mit dem Medium period. konkret aufmerksam machen?

Wir sind seit mittlerweile über acht Jahren in den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Geschlechtergerechtigkeit aktiv. Die Krise hat bestimmte Schieflagen in diesem Kontext nochmal sehr deutlich offen gelegt. period. ist der Versuch, journalistisch und wissenschaftlich aufzubereiten, wie Technik & Digitalisierung unser Berufsleben beeinflusst, welche Rolle Nachhaltigkeit dabei spielt und wie Gerechtigkeitsfragen hier verortet werden können. Konkret wollen wir darauf aufmerksam machen, welche Mittel und Wege es gibt, Entwicklungen im Bereich Arbeitsmarkt & Wirtschaft in Richtung mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu beeinflussen.

Sie wollen eine faktenbasierte Perspektive auf die heutige Gesellschaft werfen? Wie gelingt Ihnen das?

Wir arbeiten für jede Ausgabe von period. mit einem wissenschaftlichen Beirat zusammen. Die WissenschaftlerInnen liefern uns einerseits Zahlen, andererseits geben sie uns einen Überblick über den Forschungsstand in verschiedenen Themenbereichen. Das wiederum ist Grundlage für die Arbeit unserer JournalistInnen. Im deutschsprachigen Raum gibt es generell keine groß ausgeprägte Tradition medialer wissenschaftlicher Berichterstattung. Für uns ist es sehr wichtig, diese Perspektiven einzunehmen: Einerseits, weil wir es spannend finden, andererseits, weil es natürlich ein Korrektiv in Sachen Fake News darstellt. 

Sie haben sich dem ‚Slow Journalism‘ verschrieben. Bitte erklären Sie uns, was Sie darunter verstehen und wie Sie zu der Entscheidung gekommen sind?

Wir sind ein kleines Team, und wollen dennoch hochqualitativen Content abseits von Clickbait liefern. Um in die Tiefe gehen zu können, müssen wir Abstriche in Sachen Quantität machen. Wir haben das Gefühl, dass die Funktionsweise Sozialer Medien durchaus auch negativ journalistische Prozesse beeinflusst hat. Hoch emotionale Beiträge, permanente Bespielung aller Kanäle, der starke Fokus auf Bewertung und Reichweiten: wir wollen uns diesem Druck entziehen, indem wir zusätzlich zur Reichweite für uns ganz andere Erfolgsfaktoren definiert haben. Das direkte Feedback und der Austausch mit unseren LeserInnen stehen für uns an erster Stelle.

Ab wann sprechen Sie von komplexen Problemstellungen? Und, was hat die Corona Krise dazu beigetragen?

Es ist oft schwierig, den Überblick über Zusammenhänge zu bewahren. Wie ist es zu bewerten, dass Elon Musk den Preis von Bitcoins treibt? Hier drehen sich so viele Rädchen, und es braucht viel Kontext, um so eine Frage beantworten zu können. Einerseits den enormen Stromverbrauch von Kryptowährung, die Frage danach, ob es für digitale Währungen Regulative braucht, und ob es ein Problem darstellt, dass einem Großteil der Bevölkerung Verständnis und Skills fehlen, sich überhaupt mit diesem Thema beschäftigen zu können. Wir wollen zu unterschiedlichen Fragestellung einfach eine gemeinsame Basis etablieren, um solche Fragen diskutieren zu können – und unterschiedliche Wissensstände abholen.

In Ihrer 0-Nummer motorisieren Sie den Diskurs zu der Fragestellung: Was technologische Innovation für Wirtschaft und Arbeit leisten und welche Probleme sie gleichzeitig verursachen könnte, und unter welchen Voraussetzungen Ökonomie unabhängig von Wachstum funktionieren kann: all das diskutieren Sie in Edition 0 – Value. Wie kann es gelingen?

Wir haben das Gefühl, dass es einfach enorme Wissenslücken gibt, vor allem in Hinblick auf den Status von Digitalisierung und technischer Innovation. Und es ist eben schwierig, sich Vorstellungen darüber zu machen, was sich in den nächsten Jahrzehnten am Arbeitsmarkt tun wird, wenn die Treiber dahinter nicht bekannt sind. Das wollen wir ändern! Wir denken, gerade das Zusammenspiel zwischen Arbeit & Technik lässt sich positiv und proaktiv gestalten, wenn nur genug Leute hier mitdiskutieren können. Deswegen sind unsere Formate auch so angelegt, dass manche Grundlagen erklären, und andere – vor allem lange journalistische Recherchen – in die Tiefe gehen. Und wenn unser Wirtschaftssystem so nicht funktioniert – bzw. nur für wenige funktioniert – dann liegt es für uns auf der Hand, uns mit inklusiveren und ressourcenschonenderen Alternativen zu beschäftigen. Die „Doughnut Economy“ zum Beispiel, die derzeit recht hohe Wellen schlägt, ist so ein Ansatz. Wir sind auch der Überzeugung, dass es weniger diskriminierende Ansätze braucht.

Viele Themen, die Sie ansprechen (werden), weisen ein klassisches Dilemma auf: Welche Wege kann es in Zukunft aus diesen Dilemmata geben? Nehmen wir das Beispiel des Tourismus.

Tourismus ist ein exzellentes Beispiel. Der Umsatz im Bereich Tourismus ist in vielen Fällen an einen enormen Ressourcenverbrauch gebunden. Würde man den in die Gesamtrechnung aufnehmen, ist ein Schigebiet, für das eine Bergspitze geköpft wurde und Tonnen an Kunstschnee, Müll und CO2-Ausstoß anfallen, sicher kein gewinnbringendes Geschäft mehr. Es ist einfach leichtsinnig, so zu wirtschaften. Nun könnte man argumentieren, dass es ebenso leichtsinnig ist, die vielen Arbeitsplätze im Tourismus nicht zu sichern. Viele dieser Arbeitsplätze sind aber sehr schlecht bezahlt oder arbeitsrechtlich bedenklich. Vielleicht ist es insofern sinnvoller, neue Arbeitsplätze zu schaffen, in ressourcenschonenderen Branchen, mit gerechteren Arbeitsbedingungen. Dilemmata lassen sich aus unserer Sicht bis zu einem gewissen Grad auflösen – wenn genug Informationen vorliegen.

Wenn Sie auf Ihr letztes Jahr zurückblicken: Was haben Sie für sich mitgenommen, von dem Sie heute schon spüren und sagen, dass es bleiben wird und darf?

Was auf jeden Fall bleiben sollte, ist das gesteigerte Interesse daran, wie unsere Welt gerechter werden kann. Wir wissen nicht, ob das nur unser subjektiver Eindruck ist, oder ob sich hier wirklich etwas tut. Wenn es aber so ist, dann würden wir uns wünschen, dass der zivilgesellschaftliche Dialog um einiges inklusiver wird, um möglichst viele Perspektiven einbeziehen zu können. Das sind wir den nachkommenden Generationen schuldig, wenn sie eine Chance auf ein würdevolles Leben haben sollen. 

Word Rap mit Therese & Elisabeth

Eine Krise ist für uns … anstrengend, aber unvermeidbarer Teil des Lebens. In einer Krise braucht es Menschen, die weiterhin mutig sind.

Die drei größten Herausforderungen in dieser anhaltenden Krise sind:

die Geduld nicht zu verlieren, neue Ideen im geplanten Tempo umsetzen zu können, finanziell nachhaltig aufgestellt zu sein.

Immer wenn wir vor unplanbaren Situationen stehen, flippen wir kurz aus.

Um auf neue Gedanken und Ideen zu kommen, ziehen wir uns zurück.

Österreichische Unternehmen wären resilienter, wenn Banken mutiger wären und öffentliche Institutionen mehr investieren würden.

Ein Tipp, um jeden Tag resilienter zu werden: Guten Kaffee trinken und gute Menschen, um einen zu haben.

Engagement von Mitarbeiterinnen in >> harten Zeiten << gewinnt man durch Ehrlichkeit und einen gemeinsamen Blick auf die Krisenbewältigung, an der sich alle beteiligen können.

Eine Frage, die sich jeder Unternehmer stellen sollte, lautet: Does it spark joy?

cov19
cov19

Newsletter

Du möchtest keine Neuigkeit mehr verpassen? Immer auf dem Laufenden bleiben? Dann melde dich noch heute für unseren Newsletter an. Los geht’s!

Brigitte Schaden

Brigitte Schaden

Expertin für Projektmanagement

Brigitte Schaden ist Präsidentin von Projekt Management Austria (pma).
Die studierte Versicherungsmathematikerin und Betriebsinformatikerin ist Inhaberin von BSConsulting und als Managementberaterin, Coach und Wirtschaftsmediatorin tätig. Außerdem ist Brigitte Schaden IPMA® Assessorin, Chair von GAPPS (Global Alliance for the Project Professions), IPMA® Honorary Fellow sowie Vortragende auf Konferenzen. Die ehemalige IT-Leiterin, Projektmanagerin und -auftraggeberin sowie PMO-Leiterin war außerdem Vizepräsidentin, Präsidentin und Chair der International Project Management Association (IPMA), Personalleiterin und Organisationsentwicklerin.

Jasmin Köse

Jasmin Köse

Expertin für Logistik

Als Geschäftsführerin etablierte Jasmin Köse erfolgreiche Unternehmen in Transport, Logistik und Lagerhaltung, die unter ihrer Leitung zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 12 Mio. Euro erwirtschafteten.

Ihre Vielseitigkeit führte sie mit Beginn ihrer Karriere erstmals in andere Bereiche. Positionen als Key Account Managerin einer Bank oder Finanzassistentin in einem internationalen Telekommunikationsunternehmen decken einen Teil ihres Werdegangs. Aktuell gestaltet die autodidakte Interior Designerin unter ihrem Label „ILAYA KOS“, Objekte aller Art.

Wolfgang Neymayer

DI Wolfgang Neumayer

Experte für Produktion

Nach dem Studium >> Maschinenbau << und verschiedenste Fortbildungen und Trainings on the Job hat sich Wolfgang Neumayer tiefgreifende Kenntnisse in der Produktionstechnik angeeignet. Durch die Paarung mit jahrelanger Erfahrung als Produktions- und Betriebsleiter von KMUs in der Metallindustrie ist seine Expertise für die praktische Umsetzung von Produktionsoptimierungen entstanden. Seit einigen Jahren stellt er diese Kenntnisse Unternehmen beratend zur Verfügung.