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Was macht diese „Auf-und-Ab-Krise“ mit uns? Interview mit Lisa Tomaschek-Habrina

Wir haben Geschäftsführer*innen aus verschiedenen Branchen nach ihren überraschendsten AHA-Erkenntnissen in der Krise gefragt und welche Maßnahmen sie sofort wieder setzen würden.

Dr. Lisa Tomaschek-Habrina lacht.

Dr. Lisa Tomaschek-Habrina ist Leiterin des Departments für Burn-Out Prävention der ESBA.


Foto: © Dr. Lisa Tomaschek-Habrina

Die Leiterin des Departements für Burn-Out Prävention der ESBA, Dr. Lisa Tomaschek-Habrina, die nebenbei auch Psychotherapeutin sowie ISO-zertifizierter Coach ist, genießt jeden Tag mit einigen Home-Office Workern Ihren Mentalen Espresso. Wonach dieser Espresso konkret schmeckt und warum dieses morgendliche Treffen zur Steigerung der Resilienz in Zeiten wie diesen beiträgt, verrät Sie Katharina Sigl im Interview. Viele Tipps, um besser durch einen fordernden Home-Office Tag zu kommen, inklusive.

Welche von den – unter großen Druck – entstandenen neuen Arbeitsformen werden Deiner Meinung nach bleiben und warum??

Es wird hybride Arbeitsformen geben, eine größere Flexibilisierung in Wahl und Form des Settings, der timeframes und Arbeitsorte. Sinnloses Herumfliegen wegen Einstunden Meetings tut man sich hoffentlich/wahrscheinlich nach den Erfahrungen der letzten Monate nicht mehr an, und werden auch State of the Art der Klimaneutralitätsbewegung sein, was sich ja jedes Unternehmen nun auf die Fahnen heften möchte. 

Es wird eine Bewegung weg von der reinen Präsenzkultur zur Ergebnis- und Stärkenkultur geben müssen, denn die gelebte und erlebte Unternehmenskultur wird zum wesentlichen Differenzierungsfaktor beim Kampf um die Talente.  Flexible Projektorganisation statt festgefügter Abläufe. Wenn die Ressource Wissen in Zukunft ähnlich flexibel wie das Kapital wird, dann erwarten Mitarbeiter von ihren Unternehmen vor allem Befähigung, nicht bloße Kontrolle. Zutrauen und selbständiges Arbeiten, nicht bloßes Abarbeiten.

Siehst Du als langjähriger Coach eine Veränderung in den Themen, die die Menschen mit ins Coaching bringen?

Ja, noch mehr verstärkt Selbstmanagementthemen aufgrund der Home-Office Situation, um mental fit durch die Krise und den Arbeitsalltag zu kommen. Strukturierte Menschen haben hier weniger Schwierigkeiten, als eher chaotisch organisiert Agierende. Das Work-Life-Blending im Home-Office macht es nicht einfacher, weil zweitere noch größere Anstrengungen aufbringen müssen, die Welten zu differenzieren.

Es relativieren sich auch Karrierethemen. Dass man überhaupt einen Job hat, rückt vermehrt in den Vordergrund. Dennoch gibt es auch jetzt genügend Menschen, die den War of talents für sich zu nutzen wissen.

Im Executive Coaching sind drängende Leadership-Themen neben Führen auf Distanz, Resilienz der Mitarbeiter und Gestaltung von Remote Meetings oder Mitarbeitergesprächen v.a. die Herausforderungen, Effizienzen im bestehenden Geschäft zu heben, und gleichzeitig auch die Transformation hin zu neuen Geschäftsmodellen zu betreiben.

Führungskräfte werden mehr und mehr zu Change Managern und navigieren ihre Abteilungen durch die Veränderungsprozesse vermehrt auf digitaler Basis. Sie sollten ihren Mitarbeitern – nicht zuletzt durch ihren wertebasierten Führungsstil – ein Vorbild sein. Für manche nicht nur herausfordernd, sondern eine ständige Zerreißprobe zu den pandemischen Rahmenbedingungen on top.

Alle sprechen von Resilienz. Nicht jeder Mensch kann gleich stark mit neuen Situationen umgehen. Welche Vorgehensweise empfiehlst Du Menschen, die wissen, dass Sie sich nicht von heute auf morgen neu erfinden können?

Resilienz ist kein Schicksal, sondern jeder kann den Prozess des Gesundbleibens selbst in die Hand nehmen. Man spricht hier von Selbstwirksamkeitserwartung. Resiliente Menschen vertrauen darauf, Krisen aus eigener Kraft meistern zu können, sie lähmen sie nicht.

Was kann helfen?

Indem man sich beispielsweise einfache Basics wie folgt aneignet:

  1. Routinen installieren
  • Erhalte Deine Morgenroutine. Gehe mental ins Büro. Kleide dich so, als ob du ins Office gehen würdest.
  • Arbeite zwischendurch im Stehen (telefonieren), achte auf Abwechslung z.B. Walk & Talk
  • Jeden Morgen für 15 – 20 Minuten ein virtuelles Standup.
    Fragen: Frage nach dem Befinden – wie geht es jedem Womit ist jeder beschäftigt? Wobei braucht jemand Hilfe?
  • Ein tägliches virtuelles Team Treffen in der Kaffeeküche zum Austausch – ohne besondere Themen eventuell installieren
  • Mache Dir einen Plan mit Time Slots für produktive Arbeitszeiten und ungestörte Pausenzeiten. Alle 1,5 Std. 10 Min. Pause machen. Regeln für diese Pausen: Etwas anderes tun, und das an einem anderen Ort (Distanzierung).
  • Regelmäßige bewusste Mahlzeiten und genügend Flüssigkeit (kg x 3:100 = L/Tag) zu Dir nehmen.
  • Stelle Dir am Ende des Tages vielleicht 3 kurze Fragen: „Was ist heute gelungen? Wofür bin ich dankbar? Was will ich eventuell verändern?“ damit erhöhst du Deine Selbstwirksamkeit und es ist zudem ein Abschlussritual für den Tag.
  1. Bewegung zwischendurch
  • Mache kleine Übungen zwischendurch, um fit zu bleiben und gleichzeitig Stress abzubauen. (Wirbelsäulenübungen, Dehnen, Faszientraining Hometrainer, etc.)
  • Immer wieder an die frische Luft gehen, kleine Spaziergänge zwischendurch.
  • Oder Sporteinheiten in die Arbeitspausen verlegen.
  • Fit zu Hause Übungen (Link zur Website)
  1. Entspannungstechniken aneignen
  • Aufgrund der angespannten Lage spannt sich auch Dein Muskeltonus permanent an. Widme Dich kleinen Entspannungstechniken oder eigne Dir z.B. einfache Atemübungen oder Progressive Muskelentspannungen an (im Internet findest Du Anleitungen)
  • Progressive Muskelentspannung (Link zur Anleitung)
  1. Soziale Kontakte anders pflegen
  • Tausche Dich so oft als möglich mit anderen Menschen über unterschiedlichste Medien aus. Dass man sich gerade nicht gegenseitig besuchen soll, heißt ja nicht, dass man nicht zusammen essen kann. Verabredet euch zu einer bestimmten Zeit auf Skype oder Zoom, um gemeinsam einen Kaffee zu trinken, zu Abend zu essen oder mit einem Glas Wein anzustoßen. Quatschen lässt es sich dabei (fast) genauso gut, wie wenn man sich gegenübersitzt.
  • Wenn Du in einem Mehrpersonenhaushalt lebst, achte auch auf mögliche Rückzugsmöglichkeiten für Dich und andere.
  • Nimm eventuell Kontakt zu alten Freunden auf, die Du schon des längeren nicht mehr kontaktiert hast – Warum beschränkt sich der Kontakt zu Deiner ehemaligen besten Freundin aus der Grundschulzeit heute auf das gegenseitige Folgen bei Instagram?
  • Schreiben mal wieder einen Brief: Die meisten von uns haben jetzt ein wenig mehr Zeit als sonst – Hobbys liegen lahm, der Hin- und Rückweg zur Arbeit fällt weg, und die Freizeitaktivitäten sind heruntergefahren. Die Zeit kann man auch dafür nutzen, alte, langsamere Kommunikationsformen wieder zu entdecken

Es sind die vielen kleinen Schritte, die man setzen kann, um sich selbst resilienter zu machen. Do it!

Eine Empfehlung von Dir: Wie geht man am gesündesten mit Situationen um, die kaum planbar sind? 

Wir können uns da etwas von dem Spitzensportler abschauen: Wenn sie Verletzungen haben, die ja auch nicht planbar sind, dann beschäftigen sie sich nicht allzu viel mit dem, was sie nicht in der Hand haben oder wie es dazu kommen konnte, sondern fokussieren sich in der Genesung auf das Ziel, wo sie wieder hinwollen – wieder auf den Centercourt, wieder auf das Fußballfeld. Sie visualisieren sich sehr plastisch ihr Ziel, das es sich für sie lohnt, die Anstrengung des Trainings wieder auf sich zu nehmen. Bilder sind wie Brücken – sie bringen uns über den Fluss, der Fluss kann eben auch etwas Unplanbares sein.

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Eine weitere Möglichkeit ist, sich selbst die WIDEG-Frage zu stellen: WIDEG steht für „Wofür Ist Das Eine Gelegenheit?“ Was kann ich in dieser Situation trainieren, üben oder was muss ich entwickeln, dass ich zukünftig anders damit umgehen kann? Was kann ich daraus lernen, anstatt mich zu ärgern, dass es so ist. Unplanbare Situationen sind tolle Trainingsmöglichkeiten eben mit Unplanbarem umgehen zu lernen – eben WIDEG! Das ist Resilienztraining – wie schaffe ich auch mit scheinbar unlösbaren oder schwierigen Situationen oder Rahmenbedingungen wie eben jetzt die Pandemie, so umzugehen, dass ich mir dennoch das Gefühl der Selbstbestimmung und -gestaltung erhalte und nicht vermeintlich nehmen lasse.

Was hast Du persönlich von diesen herausfordernden Monaten gelernt?

Ich habe gemerkt, wie schnell ich und meine Family switchen können. Von einem Tag auf den anderen haben wir alles online gemacht – und das, obwohl ich im mittleren Alter bin😊. Wir haben sehr schnell neue Formate zum Thema f den anderen – auf online gemacht, und mich mittlerweile sehr angefreundet mentale Stärke entwickelt und angeboten. Anfangs war das alles noch ziemlich anstrengend, mittlerweile sind Face-to-Face-Formate schon ungewohnt. Da sieht man wie schnell man adaptiert, wenn man adaptiert.

Ich habe eine große Freude, dass mein Online-Formate zur Mental Journey mit kleinen Kurzimpulsen den s.g. Mental Espressos so gut in Firmen und bei ihren Mitarbeitern ankommen. In den Mental Espressos gewähre ich prägnante Einblicke in wissenschaftlich fundierte mentale Motivations- und Erfolgsstrategien aus aktuellen Erkenntnissen der Gehirnforschung, die nicht nur im Arbeitsalltag hilfreich, sondern für jeden persönlich anwendbar sind.

Die Rückmeldungen aus den Reviews der Teilnehmer waren wirklich herzerfrischend: Ich bin so ganz anders in den Tag gestartet. Da scheine ich einen Nerv getroffen zu haben, und darüber hinaus macht es mir selber Spaß zu überlegen, wie ich den Morgen so vieler Home-Office-Worker anders gestalten kann. Übrigens mein Morgen startet damit nämlich auch anders – ebenso sehr erfreulich! 😊

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Brigitte Schaden

Brigitte Schaden

Expertin für Projektmanagement

Brigitte Schaden ist Präsidentin von Projekt Management Austria (pma).
Die studierte Versicherungsmathematikerin und Betriebsinformatikerin ist Inhaberin von BSConsulting und als Managementberaterin, Coach und Wirtschaftsmediatorin tätig. Außerdem ist Brigitte Schaden IPMA® Assessorin, Chair von GAPPS (Global Alliance for the Project Professions), IPMA® Honorary Fellow sowie Vortragende auf Konferenzen. Die ehemalige IT-Leiterin, Projektmanagerin und -auftraggeberin sowie PMO-Leiterin war außerdem Vizepräsidentin, Präsidentin und Chair der International Project Management Association (IPMA), Personalleiterin und Organisationsentwicklerin.

Jasmin Köse

Jasmin Köse

Expertin für Logistik

Als Geschäftsführerin etablierte Jasmin Köse erfolgreiche Unternehmen in Transport, Logistik und Lagerhaltung, die unter ihrer Leitung zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 12 Mio. Euro erwirtschafteten.

Ihre Vielseitigkeit führte sie mit Beginn ihrer Karriere erstmals in andere Bereiche. Positionen als Key Account Managerin einer Bank oder Finanzassistentin in einem internationalen Telekommunikationsunternehmen decken einen Teil ihres Werdegangs. Aktuell gestaltet die autodidakte Interior Designerin unter ihrem Label „ILAYA KOS“, Objekte aller Art.

Wolfgang Neymayer

DI Wolfgang Neumayer

Experte für Produktion

Nach dem Studium >> Maschinenbau << und verschiedenste Fortbildungen und Trainings on the Job hat sich Wolfgang Neumayer tiefgreifende Kenntnisse in der Produktionstechnik angeeignet. Durch die Paarung mit jahrelanger Erfahrung als Produktions- und Betriebsleiter von KMUs in der Metallindustrie ist seine Expertise für die praktische Umsetzung von Produktionsoptimierungen entstanden. Seit einigen Jahren stellt er diese Kenntnisse Unternehmen beratend zur Verfügung.